Was uns an Verpackungen reizt

Eine ansprechende Geschenkverpackung steigert das Geschenkerlebnis enorm. Eine hübsche Verpackung erhöht den ideellen Wert des Geschenks und betont die Geste des Schenkens; der materielle Wert des Geschenks tritt in den Hintergrund. Das Auspacken des Geschenks wird vom Gebenden und Nehmenden als ein kleiner zeremonieller Akt erlebt. Je aufwendiger die Geschenkverpackung, desto größer zum einen die Freude und die Spannung, desto größer zum anderen freilich auch die (unbewußte) Erwartungshaltung.

Warum fällt die Freude weit geringer aus, wenn wir ein Geschenk unverpackt erhalten? Ein Buch ist ein Buch, ein Collier ist ein Collier - der Wert des Geschenks ist derselbe. Im Gegenteil, der Schenkende erspart uns bei einem Verzicht auf eine Verpackung ja sogar die Mühsal des Auspackens. Was also reizt uns so am Entblättern? Worin begründet sich das besondere sinnliche Erleben?

Vermutlich liegen die Ursprünge in archaischen menschlichen Erfahrungen begründet. Der frühzeitliche Mensch lernte, dass es sich durchaus lohnt, die Hüllen von Früchten und Nüssen zu entfernen, um an den nahrhaften Kern zu gelangen. Der Lerneffekt war, dass ein wertvoller Inhalt immer durch eine Schale geschützt wird. Und der Mensch bemerkte, dass es sich lohnt, Zeit und Kraft in die Entfernung dieser Schale zu investieren. Die Mühsal, die mit dem Knacken einer Nuß verbunden war, verwandelte sich im Lauf der Evolution in eine freudige Erwartungshaltung. Verbunden damit war die Erkenntnis, dass eine "verpackte" Frucht eine gewisse Frischegarantie enthielt, während eine bereits aufgeplatzte Orange oftmals bereits verdorben war. Die unversehrte, glänzende Schale verlieh dem Nahrungsmittel somit eine erhebliche Wertsteigerung in den Augen des Menschen.